Künstler der Woche
Interview mit Nita Bon Air
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Hallo Nita Bon Air, wie bist du ursprünglich zur Burlesque gekommen? Gab es einen Schlüsselmoment?
Ja! Im Jahr 2018 trat ich als Tänzerin auf einer ElectroSwing-Köln-Party auf, wo ich Anna Venture kennenlernte, die Burlesque performte. Einige Monate später fragte sie mich, ob ich bei einer Show der Sunset Boppers im Scala Kulturspielhaus in Wesel mit einer Burlesque-Nummer auftreten möchte. Ich antwortete: „Sehr gerne! Aber ich habe noch nie Burlesque gemacht.“ Genau dort begann meine Reise. Meine ersten Auftritte waren natürlich noch ziemlich amateurhaft. Im Laufe der Jahre besuchte ich Workshops und Kurse in Italien sowie in mehreren Städten Deutschlands, arbeitete mit privaten Coaches, investierte viel in Kostüme und entwickelte mich Schritt für Schritt weiter.
Kannst du uns einen Einblick in deine Shows geben?
Du kommst aus Argentinien und hast italienische Wurzeln. Wie prägen diese kulturellen Einflüsse deine Kunst?
Wer mich schon einmal auf der Bühne erlebt hat, wird bestätigen können, dass Feuer und Leidenschaft zu meinen Markenzeichen gehören. Ich denke, der lateinamerikanische Geist ist mutig, herzlich und offen – Eigenschaften, die perfekt zu einer Burlesque-Künstlerin passen. Auch wenn ich bisher noch keine ikonische Nummer geschaffen habe, die meine kulturellen Wurzeln direkt aufgreift, plane ich bereits eine Hommage an Argentinien. Und nein – es wird kein Tango! Stattdessen möchte ich einer bekannten Frau aus den 1940er- und 1950er-Jahren Tribut zollen, die eine bedeutende Rolle für die Frauenrechte in meinem Heimatland gespielt hat. Genau das inspiriert mich – neben der wunderschönen Vintage-Ästhetik – am meisten.
Deine Shows verbinden Burlesque mit Luftakrobatik und Zirkuselementen. Wie ist diese Kombination entstanden?
Bevor ich Burlesque entdeckte, war ich über zehn Jahre als Zirkuskünstlerin tätig und spezialisierte mich auf Luftakrobatik. Zusätzlich trainierte ich Disziplinen wie Feuerkunst, Balance, Clownerie und Physical Theatre. Alles, was ich in dieser Zeit gelernt habe, spiegelt sich bis heute in meinen Auftritten wider. Manche Elemente sind offensichtlich, etwa in meinen Feuerperformances oder meiner Moon-Show. Andere zeigen sich subtil im Umgang mit Requisiten und Kostümen, meinem Humor, meiner Fähigkeit zur Improvisation oder darin, wie ich mit dem Publikum kommuniziere und als Entertainerin auftrete.
Eines deiner Highlights ist „Enchantements de Lune“. Was macht diese Show so besonders?
Vor allem ist sie absolut einzigartig. Als Burlesque-Künstlerin wollte ich irgendwann eine unverwechselbare Requisite besitzen – etwas, das zum Markenzeichen meines Repertoires wird. Ich suchte monatelang nach einer Idee, die meine Fähigkeiten optimal präsentiert und gleichzeitig auch erfahrene Burlesque-Zuschauer überrascht. Der Mond ist ein ikonisches Symbol, das in Kunst und Burlesque immer wieder auftaucht. Dennoch hatte ich noch nie etwas gesehen, das meiner Idee ähnelte. „Enchantements de Lune“ ist deshalb meine persönlichste Darbietung – eine Verbindung aus Eleganz, Luftakrobatik und Burlesque auf einem halbmondförmigen Requisit. Die Show ist stilvoll, strahlend und einfach magisch.
Welche Rolle spielen Kostüme und Styling in deinen Shows?
Eine sehr große. Die Ästhetik des Burlesque gehört zu den Dingen, die ich an dieser Kunstform am meisten liebe. Bei der Entwicklung einer neuen Nummer investiere ich oft 70 bis 80 Prozent meiner Zeit in das Kostüm und den Rest in die Proben. Ein Kostüm zu erschaffen, das spektakulär aussieht, gleichzeitig bequem, langlebig und einzigartig ist, ist für mich eine eigene Kunstform. Deshalb probe ich so oft wie möglich bereits im Kostüm. Es ist wichtig zu wissen, was damit alles möglich ist – aber auch, was schiefgehen könnte. Burlesque lebt vom Spiel mit den Kostümen. Man muss mit ihnen eins werden, denn sie geben Sicherheit, Selbstvertrauen und sorgen für einen souveränen Auftritt. Und natürlich fühlt es sich großartig an, dabei fantastisch auszusehen.
Gibt es einen Bühnenmoment, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Davon gibt es viele. Auf professioneller Ebene war mein Auftritt mit der WDR Big Band Jazz in der Kölner Philharmonie im Jahr 2018 ein absolutes Highlight. Ebenso bedeutend war meine Teilnahme am Cologne Burlesque Festival im Gloria Theater – in der Stadt, in der ich lebe und gemeinsam mit großartigen nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern auftreten durfte. Es gibt aber auch viele lustige Erinnerungen: technische Pannen, unerwartete Reaktionen aus dem Publikum oder Momente, in denen ich während einer Gruppennummer vor Lachen kaum weitermachen konnte – wobei Letzteres noch aus meiner Zeit im Zirkus stammt.
Welche Voraussetzungen sollte eine Location für deine Shows hinsichtlich Licht, Ton und Bühne erfüllen?
Idealerweise verfügt die Location über eine grundlegende technische Ausstattung: eine Soundanlage mit AUX-Anschluss oder DJ-Anschluss sowie eine Person, die die Musik steuert – alternativ einen DJ. Für die Lichtstimmung ist eine separate Bühnenbeleuchtung wichtig, die unabhängig von der allgemeinen Raumbeleuchtung eingesetzt werden kann. Falls keine Bühnenbeleuchtung vorhanden ist, kann ich diese organisieren und mitbringen. Für die meisten Shows genügt eine freie Spielfläche oder Bühne von mindestens 3 × 2 Metern sowie eine Deckenhöhe von mindestens 2 Metern, damit auch größere Requisiten wie Federfächer ausreichend Platz haben. Für meine Moon-Show ist eine Deckenhöhe von mindestens 3 Metern sowie eine freie Fläche von mindestens 4 Quadratmetern erforderlich. Hierfür bringe ich meine eigene Plattform mit, auf der der Mond sicher montiert wird.


