Künstlerin der Woche

Interview mit Leony la Roc

Künstlerin der Woche: Leony la Roc
©Karim Kahtan

Die hohe Kunst der Sinnlichkeit - Leony la Roc möchte mit ihren Burlesque-Shows das Publikum in eine Welt aus Fantasie und "einem Spritzer Erotik" ziehen. Damit das gelingt, nahm und nimmt die Künstlerin viel auf sich: Ohne klassische Tanzausbildung brachte sich Leony ihre Performances selbst bei. Auch die pompösen Requisiten und Kostüme organisiert sie in Eigenregie. Ihre große Leidenschaft: Eine erstklassige Show. Im Interview erzählt und zeigt uns Leony, was alles dahintersteckt.

Hallo Leony. Wie geht es dir?
Danke. Mir geht es super. Ich hoffe euch auch.
Du bist Autodidaktin und hast dir Tanz und Performance selbst beigebracht – wie bist du vorgegangen?
Ungeplant, per Zufall stand ich eines Tages auf einer Bühne und sollte eine Show performen. Überraschenderweise fühlte ich mich wohl, wie zu Hause und spürte, dass die Bühne meine Berufung ist. Das Gefühl war so stark, dass ich meine Laufbahn als Beamtin beendete und mich einer Karriere als Bühnenkünstlerin widmete. Wohl bemerkt, dass ich nie in meinem Leben vorher getanzt hatte. Ich fand meinen Lebenssinn. Es ist so süß, wenn ich daran zurück denke, wie ich angefangen habe, nach dieser ersten Bühnenerfahrung. Meine ersten Schritte begann ich mir mit Anfang 20 bei MTV abzuschauen und sie Zuhause zu üben. Im Keller meines Elternhauses befand sich damals ein Kleiderschrank mit großem Spiegel. Da habe ich dann geübt. Später habe ich mir immer wieder mal eine Musicaldarstellerin als Coach gebucht. An meiste habe ich tatsächlich dabei gelernt, mir andere Künstler anzusehen und zu schauen, was mir an ihren Auftritten gefällt und was nicht - egal in welchem Bereich. Ich habe mir immer das Beste für mich gemerkt und so versucht, meine Performances zu professionalisieren.
Du bist vor allem als Burlesque-Künstlerin aktiv - was ist Burlesque für dich?
Burlesque ist für mich die hohe Kunst der Sinnlichkeit. Das Spiel mit der Fantasie, mit einem Spritzer Erotik - mein Publikum mitzunehmen in diese Fantasie, es zu begeistern, zu berühren und dann diese Vibrationen im Raum zu spüren. Ich mag es vor allem, wenn ich meinem Publikum in die Augen sehen kann, wenn ich spüre, wie ich sie verzaubere für den Augenblick der Show. Während Corona durfte ich nicht performen. Besonders da habe ich gemerkt, wie groß meine Sehnsucht danach ist, auf der Bühne vor Live-Publikum zu stehen. Die Verbindung zu den Zuschauern ist mein Lebenselixier.
Was macht deine Shows aus?
Wenn ich mich mit anderen Burlesque-Künstlern vergleiche, kann ich, glaube ich, sagen, dass es mir bei meinen Shows eher um die Emotionen geht, darum mein Publikum zu berühren und nicht darum, eine bestimmte Choreografie perfekt ausgetanzt zu präsentieren. Ich habe als Kind nie getanzt und werde daher auch nie so wie eine exzellent ausgebildete Tänzerin tanzen können. Lange litt ich zum Beispiel als „Berufstänzerin“ darunter, dass ich keinen Spagat und mein Bein nicht bis zum Kopf hochwerfen konnte. Mein Partner sagte einmal zu mir, ich solle wirklich darüber nachdenken, was eine Show eigentlich erstklassig macht. Achten die Leute darauf, wie ich meine Finger halte oder hat die Show mehr Wirkung, wenn sie die Leute berührt? An diesem Punkt wurde mir klar, es macht mehr Sinn, an seinen Stärken zu arbeiten. Mit Ende 20 habe ich eine Schauspielausbildung absolviert, um meine gesamte Arbeit auf der Bühne zu optimieren. Viele Jahre später habe ich noch den Make-Up-Artisten und Hairstylisten gemacht, um mich selbst ohne Hilfe hochwertig stylen zu können.
Deine Shows leben auch von deinen spektakulären Requisiten – wie kommt man an ein riesiges Martiniglas?
Weder meine wundervollen Showkostüme, noch meine Requisiten bekommt man irgendwo zu kaufen. Es ist alles sonderangefertigt nach meinen Bedürfnissen. Das erfordert einen sehr langen Prozess. Zunächst hat man eine Vision und muss diese irgendwie zu Papier bringen. Es kann Monate dauern, das geeignete Material zu finden. Es macht wahnsinnig Spaß, diesen Entstehungsprozess zu begleiten und wenn er fertig ist, zu sehen, dass die Leute das dann auch buchen und Freude daran haben. Besonders stolz macht mich mein neuestes Requisit, an dem wir nun seit einem Jahr in so manchen Abendstunden bauen. Stellt euch eine Szene vor: Ein Champagnerglas im Nebel versunken, ich, wie ich mit meinem Zauberstab tausende funkelnde Lichter zum Leuchten bringe. Das Champagnerglas kommt zum Erscheinen und dreht sich. Das ist mein größtes und aktuellstes Projekt. Es ist komplett selbst gebaut, jedes Licht wurde selbst gelötet und sogar die Batterietechnik von uns entwickelt. Bis alles fertig, wasserfest und musiksynchron ist, glaube ich, brauchen wir noch ein halbes Jahr. Der schönste Gedanke: Diese Erfindung gibt es nur einmal auf der Welt – und darauf bin ich besonders stolz.
Du warst schon auf zahlreichen Veranstaltungen vertreten - gibt es einen Auftritt, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Das ist eine schwierige Frage für mich. Ich kann eher allgemein dafür sprechen, dass ich durch die Auftritte Venues sehe, wo ich sonst nie hingekommen wäre. Zahlreiche wundervolle Schlösser, manchmal Essen von einem Sternekoch... Ich fühle mich in solchen Momenten, wie in einen Film gebeamt, wie eine Prinzessin, wenn ich meine bezaubernden Showkostüme trage. Andere Momente, die besonders in Erinnerung bleiben, sind, wenn ich Menschen eine besondere Freude machen konnte. Ein Kunde hatte mich zum Beispiel zu seinem 90. Geburtstag auf einem Schloss zu seiner Feier gebucht. Ihm ging es gesundheitlich so schlecht, dass bis kurz davor nicht klar war, ob diese Feier überhaupt stattfinden könne. Unter Tränen hat er sich bei mir bedankt und mich in den Arm genommen, dass ich ihm den Wunsch erfüllt hatte, für ihn zu tanzen.
Wie planst du eine neue Show?

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