Interview mit Karabaeus - Künstler der Woche (24.01.11)

Unsere "Künstler der Woche" sind das Akrobatik-Duo Karabaeus. Im Interview schildert das Duo, warum es wichtig ist, ein Akrobatik-Event maßzuschneidern, was passiert wenn es bei der Outdoor-Aufführung schneit und warum eine "Wuchtbrumme an dem schmächtigen Hansel den Berg hinauf klettert".

Karabaeus

  • eventpeppers: Herr Kolossa, in unserem aktuellen Blog im "Kategorien-ABC" möchten wir den Suchern den "Artisten", genauer gesagt den "Akrobaten" näherbringen. Für welche Veranstaltung werden Sie denn - aus Ihrer Sicht - am liebsten gebucht, und wieso?
    Ralf Kolossa: Am häufigsten buchen uns Unternehmen, die ein Highlight für ihre Veranstaltung suchen. Besonders gefragt ist unsere Vertikaltuchdarbietung Jeu de l'eau - wahrscheinlich weil es so verblüffend ist, was wir zu zweit an dem weichen Stoff, der so zerreißbar erscheint, präsentieren können. Das Tuch unterstützt unsere Artistik, weil seine Bewegungen wie Wellen aussehen und sich die Zuschauer vorstellen können, dass wir im Wasser spielen. Wir zeigen Tricks und Bilder, die ich selbst entwickelt habe und die deshalb - sofern wir nicht kopiert werden - einzigartig sind. Das
    wissen unsere Kunde und deren Gäste zu schätzen.
  • eventpeppers: Glauben Sie, dass potentielle Anfrager oftmals den Aufwand unterschätzen, den Sie vor der Show haben? Einmal beispielhaft erklärt: bei Ihrem Showact "Whisper" - was muss da von Ihrer Seite vorbereitet werden und wie lange brauchen Sie dafür?
    Ralf Kolossa: Ich glaube, dass viele Kunden den Aufwand unterschätzen, den wir vor einer Show haben. Sie wissen zwar, dass wir viel körperlich trainieren müssen und fragen nach dem Auftritt auch oft nach unserem Trainingspensum. Doch kaum einer weiß, wie lange wir an einer Nummer getüffelt haben, bis die ganze Choreografie genauso funktioniert, wie sie bei der Aufführung zu sehen ist. Aber das erwarten wir natürlich auch nicht von unseren Kunden. Wir bieten den Act an und sie können ihn buchen - so einfach ist das. Lediglich über die technischen Voraussetzungen muss sich der Kunde im Klaren sein. Für unsere Trapezdarbietung Whisper beispielsweise brauchen wir eine bestimmte Höhe. Aber selbst, wenn es vor Ort dann mal nicht ganz passt, versuchen wir natürlich, alles möglich zu machen. Doch verlängerte Trapezseile bedeuten eine andere Arbeit als im Training, da die Schwünge viel länger sind und das Trapez mehr hin und her schwingt. Das ist den Kunden oft nicht bewusst.
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  • eventpeppers: Wie kam Ihnen denn die Idee Ihrer Trapez-Comedy "Der Berg ruft"?
    Ralf Kolossa: Karina und ich sind auch Partnerakrobaten und beim Üben von Trickkombinationen entstand die Idee zu unserer Trapez-Comedy "Der Berg ruft". Meine erste Frage an Karina war: "Meinst du, ich könnte an dir hochklettern?" Sie schaute mich verwirrt an, bis ich ihr erklärte, was ich vor hatte. Danach sprudelten die Ideen nur so aus uns heraus. Wichtig war mir, eine Duotrapezdarbietung zu kreieren, die kein Kletterrequisit benötigt. Stattdessen benutzen wir uns gegenseitig, um das Trapez - also den "Berg" - zu erreichen. Dank meiner starken Partnerin ist uns dies auch sehr schnell gelungen. Der Geschlechterttausch in dieser Nummer war mir wichtig, weil allein von unseren Staturen her schon Comedy ensteht: Die Wuchtbrumme klettert an dem schmächtigen Hansel den Berg hinauf.
  • eventpeppers: Können Sie Ihr Programm auch individualisieren, also auf die Wünsche der Anfrager in der Form eingehen, dass Sie sogar speziell etwas einstudieren?
    Ralf Kolossa: Wir bieten auf unserer Website an, dass wir unser Programm für das Event des Kunden maßschneidern oder sogar komplett neu kreieren. Ein individualisiertes Programm finde ich auch viel sinnvoller, da es sich besser ins Gesamtbild der Veranstaltung einfügt und das Motto des Events unterstützt - sei es durch Kostüme, Musik oder eine passende Choreografie.
  • eventpeppers: Was war denn die irrsinnigste Veranstaltung, für die Sie einmal angefragt wurden (sprich wo die Vorstellungen der Anfrager vielleicht komplett vom Machbaren abwichen)?
    Ralf Kolossa: Bisher wurden wir für solch eine irrwitzige Veranstaltung nicht gebucht - zum Glück. Gewiss gibt es ab und zu kleine Abwandlungen wie z. B. bei der Eröffnung der Galzigseilbahn in Ahlberg, wo anfänglich nur dem Agenten klar war, wo wir hängen werden und das Wetter ungewiss war. Ein verlängerter Stahlträger der Seilbahn, war unser Hängepunkt und es hat während der Aufführung geschneit, was ein sehr schöne Umstellung war und wir nur auf die riskanten Tricks verzichten mussten.
  • eventpeppers: Gibt es auf der anderen Seite eine Veranstaltung, die Ihnen besonders in Erinnerung bleiben wird? Wenn ja, warum?
    Ralf Kolossa: Es gibt so viele schöne Orte, an denen wir aufgetreten sind und die für mich unvergesslich bleiben. Doch eine Veranstaltung sticht hervor besonders, weil dort die Tonanlange ausfiel und zwar gleich zu Beginn unserer Präsentation. Wir dachten nur: "Was jetzt?" Doch da hörten wir die Töne einer Klarinette und eines Saxophones, die uns spontan und improvisiert begleiteten. So konnten wir unsere Nummer einfach fortsetzen -und nicht nur das Publikum war begeistert: Auch für uns war es ein unvergessliches Ereignis, ohne Absprache die Nummer zu spielen und von den Musikern getragen zu werden.

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