Künstler der Woche

Interview mit den Alphornbläsern vom Bodensee

Interview mit den Alphornbläsern vom Bodensee

Die "Alphornbläser vom Bodensee" sind unsere "Künstler der Woche". Im Interview sprechen die außergewöhnlichen Musiker über TV-Auftritte in der Tagesschau und bei Aktenzeichen XY ungelöst, über ein "Alphorn-Baby" und die Intention, das Echo stolz zu machen!

eventpeppers: Herr Ruf, das Alphorn ist - wie der Name schon sagt - ein Instrument, das vorzugsweise im Alpenraum zur Tradition gehört. Was war denn Ihr weitest entfernter/skurrilster Auftritt fernab der Alpen?
Walter Ruf: Das Alphorn gehört auf alle Fälle in die Berge, das dort entstehende Echo ist wunderschön und viele Kilometer weit zu hören.
Ja, es gibt tatsächlich verrückte Situationen mit dem Horn. In der ARD - Tagesschau wurde im letzten Jahr ein Bericht über die sommerlichen Temperaturen in Freiburg gesendet. Ich war zur besten Sendezeit, also direkt vor dem Wetterbericht mit meinem Alphorn zu sehen und zu hören, es war ein Highlight.
eventpeppers: Mit dem Alphorn ins Boxhorn gejagt: Im Rahmen von "Aktenzeichen XY ungelöst" hatten Sie einen Auftritt - erzählen Sie doch mal, wie es dazu kam. Der gesuchte Täter ist, wie man Ihrer Homepage entnehmen kann, mittlerweile gefasst.
Walter Ruf: Alphorn und Aktenzeichen XY passen sicherlich überhaupt nicht zusammen. Nach einer Geburtstagsfeier, bei der auch ein Alphorntrio aufgetreten ist, ist ein Mord geschehen. Da die Szenen so genau wie möglich nachgestellt werden mußten, wurde ein Schweizer Alphorntrio gesucht, wir bekamen die Zusage für die Filmaufnahmen. Ein Trachtenverein aus der Schweiz hat uns das passende Outfit zur Verfügung gestellt. Es war eine sehr interessante Erfahrung bei diesem Dreh dabei zu sein. Besonders positiv ist es natürlich, dass der Mörder danach gefasst wurde und wir auch „irgendwie“ dazu beitragen konnten.
eventpeppers: Einmal aus Laiensicht gefragt: Wie transportiert sich ein Alphorn, aus wievielen Teilen besteht es eigentlich und was kostet es im Schnitt?
Walter Ruf: Unsere Alphörner sind 3,68 lang, aus Fichtenholz hergestellt und mit Peddigrohr umwickelt. Sie lassen sich in 3 Teile zerlegen und man kann sie ganz einfach zusammenstecken. Beim Transport ist jedoch immer Vorsicht geboten, da die Hörner sehr empfindlich auf Stöße reagieren. Daher habe ich noch ein ganz besonderes Horn, mein „Alphorn-Baby“. Es wiegt nur 1,3 kg, ist mit einer Größe von 75 cm problemlos zu transportieren und ist aus Carbon. Es wird wie ein Teleskop auf die richtige Größe auseinander gezogen. Vom Klang ist fast kein Unterschied zum Holzhorn zu hören. Es wurde übrigens von Roger Zanetti aus der französischen Schweiz entwickelt, er nennt es „Alpflyinghorn“, eine geniale Erfindung.
eventpeppers: Wie kommt man darauf Alphorn zu lernen - war das pures Eigeninteresse oder lag der Ursprung in der Familien-Tradition und bestehendem Traditionsbewusstsein?

Ich spiele schon seit meiner Kindheit die Posaune. Blasorchester, Big Band, Blechbläserquartett, in jeder Musikrichtung fühlte ich mich zu Hause.

Walter Ruf: Ich spiele schon seit meiner Kindheit die Posaune. Blasorchester, Big Band, Blechbläserquartett, in jeder Musikrichtung fühlte ich mich zu Hause. Immer war es mein Wunsch auch das Alphorn zu spielen. Vor 10 Jahren habe ich damit begonnen und es sofort ins Herz geschlossen. Der Klang ist einfach etwas ganz besonderes.
eventpeppers: Das Alphorn wird immer beliebter. Fänden Sie es schön, wenn das Alphorn so richtig in Mode käme, oder bevorzugen Sie sogar den traditionellen Rahmen?
Walter Ruf: Das ist richtig, das Alphorn ist inzwischen bei vielen Anlässen zu hören. In der Schweiz wird es immer noch überwiegend traditionell gespielt. Die Klangfarbe ist wunderschön, jedoch klingen diese Lieder für die Zuhörer sehr ähnlich. Wir spielen daher auch moderne Melodien und Rhythmen, um die Auftritte für die Gäste interessant zu gestalten. Durch einen Tango, Samba oder Blues, oder sogar durch den bekannten Tiger Rag heben wir uns sicherlich von den traditionellen Alphorn-Gruppierungen ab. In der Regel sind höchstens zwei Sets mit je 20 Min. zu empfehlen. Bei Weihnachtsmärkten, d.h. bei Laufpublikum, ist es für uns auch kein Problem für eine Stunde die musikalische Umrahmung zu übernehmen.
eventpeppers: Das Bodensee-Alphorntrio besteht bereits seit 2002, wie setzt sich die heutige Besetzung zusammen?
Walter Ruf: Wolfgang Groß war bereits Gründungsmitglied und damals von meiner Idee sofort begeistert, sowie auch Siegfried Willibald, der jedoch aus zeitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stand. Mit Dirk Bühler, einem sehr versierten Alphornbläser, spielen wir jetzt schon sehr viele Jahre in dieser Besetzung zusammen. Die gemeinsame Auffassung von Klang und Stilrichtung ist der Erfolg unseres Bodensee-Alphorntrios. Ich genieße die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen sehr. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch besonders meine Aushilfen Pete Tolksdorf und Günter Kettner erwähnen, auf die ich mich immer sehr verlassen kann.
eventpeppers: Lieber Herr Ruf, es klingt alles sehr interessant, wie geht’s weiter, was bringt 2012?
Walter Ruf: Ja, interessante Anfragen liegen bereits vor, ich möchte mit unserem Trio die Veranstalter und Gäste mit unseren traditionellen und ausgefallenen Alphornklängen überraschen, nach dem Motto, „was ist mit dem Alphorn möglich“. Ich hoffe auf viele Anfragen für alle Gelegenheiten, ob Fernsehen, Radio oder Grillfest, grins …. Vielen Dank für das angenehme Interview!

6 Fotos

die drei Alphornbläser vom Bodensee
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professionelle Alphornbläser-Gruppedas Alphornbläser-Trio bei einem Auftrittdie bekannte Alphorn-Gruppe vom Bodenseedie drei erfahrenen Alphornbläser vom BodenseeAlphorn-Trio mit ihren Alphörnern