"F" wie Flamenco

Als Flamenco bezeichnet man eine Gattung volkstümlicher Tanzlieder aus Andalusien, dem südlichsten Bundesland Spaniens. Der Name stammt wohl von Einwanderern aus nördlichen Europa – spanisch flamencos (Flamen) genannt – auf deren mitgebrachte Mu­sik die Bezeichnung überging.

Café de Silverio in Sevilla: Wiege des Flamenco

Die Wurzeln des Flamenco reichen möglicherweise bis ins Mittelalter zurück, aber erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist seine Existenz belegbar – was mit einem Café zu tun hat: Silverio Franconetti, geb. 1831, ein musikalisches Naturtalent, tauschte seinen erlernten Schneiderberuf in jungen Jahren gegen eine Karriere als Sänger ein, wandte sich dem erblühenden Flamenco zu, wurde schnell der bekannteste seinerzeitige cantaor (Flamencosänger) und eröffnete 1881 ein Sänger-Café (café cantante); dorthin lud er die besten damaligen Flamenco-Künstler ein, die sich hier austauschen und gegenseitig her­ausfordern konnten und so wurde sein Café (eigentlich ein Nachtlokal) zu einer Keimzelle des Flamenco – bald entstanden zahlreiche weitere Flamenco-Cafés und die Popularität des Tanzliedes nahm rasch zu.

F wie Flamenco

Flamenco – ein kultureller Aufschrei

Der Flamenco darf nicht der spanischen Folklore zuordnet werden. Er entwickelte sich in den Halbweltbezirken der großen andalusischen Städte und war in gewisser Weise Aus­druck einer gesellschaftlichen Rebellion, analog der Entstehung des Blues und des Jazz. In besonderer Weise wurde er durch durch Zigeuner beeinflusst, und zwar durch eine Un­tergruppe der Roma namens kalé, in Spanien gitanos genannt.

Die Flamenco-Komponenten

Die wesentlichen Komponenten des Flamenco sind der Gesang (cante), das Instrumental­spiel (toque) mit Rhythmusakzentuie­rung durch Händeklatschen (palmas) oder durch Rhythmusinstrumente und der Tanz (baile). Anfänglich bestand der Flamenco nur aus dem Gesang. Später wurde dazu getanzt, erst im 19. Jahrhundert kam das Instrumentalspiel hinzu. Gesänge ohne Begleitung werden cantes a palo seco („auf trockene Art“) genannt.

Das Flamenco-Ritual

Ein Flamenco besteht aus verschiedenen Teilen, deren wichtigste der einleitende Gesang salida, der magische Höhepunkt duende und der Abgesang macho sind.

Über 100 Flamenco-Stile

Die zahlreichen Flamenco-Stile (palos) unterscheiden sich z. B. durch den Rhythmus, die Tonart, das Textthema, die musikalischen Motive und die Herkunft; die Zuordnung zu ei­nem palo folgt keiner strengen logischen Systematik, es gibt viele Überschneidungen.

Der Rhythmus ist das A und O

Von herausragender Bedeutung für die Stil-Zuordnung ist der Rhythmus.

  • Viele Flamencos basieren auf einem Zwölferrhythmus mit fünf betonten und sieben un­betonten Taktschlägen. Bedeutende Vertreter dieser Gruppe sind: Soleá, Bulería, Seguiri­ya, Toná
  • Einer weiteren Flamenco-Gruppe liegt ein Dreiviertel- oder Sechsachtel­takt zugrunde. Das sind z. B.: Fandago de Huelva, Sevillana
  • Daneben existieren noch Flamencos im Vierviertel- bzw. Zweivierteltakt: dazu zählen: Tango, Tiento, Tanguillo, Farruca, Garrotin, Taranto u. a.
  • Schließlich gibt es auch Flamencos ohne festgelegten Takt, z. B. Granaína, Malagueña, Fandango naturales, Minera

Traditionelle Flamenco-Einteilung

Diese erfolgt nach dem Gesang:

  • Cante jondo (von spanisch hondo = tief, innerlich): schwermütig-dra­matischer Gesang, z. B. Soleá, Siguiriya, Fandango
  • Cante chico (spanisch chico = klein, leicht): fröhlicher, melodiöser Gesang. Beispiele: Alegría, Farruca, Tango
  • Cante intermedio (im Charakter dazwischenliegend): z. B. Malagueña, Tiento

Ursprünglich nicht zum Flamenco gehörende, jedoch von diesem beeinflusste Gesänge werden Cante aflamencado genannt

Was sonst noch interessant ist ...

Die Begleitung rhythmisch determinierter Flamencos erfolgt traditionell durch Klatschen (palmas). Perkussionsinstrumente sind der cajón, eine Holzkiste mit einem Schallloch, und die caña rociera, ein Zuckerrohrstück mit Glocken. Kastagnetten gehörten übrigens ur­sprünglich nicht zum Flamenco, sie kamen erst durch die Volkstänze dazu!

Zur Praktik des Flamenco-Tanzes: eine große Rolle spielt natürlich die Fußtechnik, da der Flamenco ein sehr „bodenverhafteter“ Tanz ist. Die Bewegungen von Mann und Frau unterscheiden sich deutlich: während bei den Männern häufig eckige und zackige Formen im Tanz enthalten sind, überwiegen bei den Frauen runde Bewegungen mit den typischen Handdrehungen (floreos). Charakteristisch ist der Wechsel zwischen schnellen und langsamen Passagen.

Die Akteure des Flamenco tragen traditionelle Kleidung, z. B. Schuhe mit nägelbeschla­genen Absätzen, Kleider mit besonderem Schnitt (oft mit typischem Tupfenmuster), Fä­cher, Hut, Fransentuch, Tanzstock.

Manche Flamencos werden nur zu bestimmten Feiertagen oder Anlässen aufgeführt oder sind einer bestimmten Uhrzeit vorbehalten, z. B. die soleá zwischen Mitternacht und ein Uhr morgens, die siguiriya zwischen zwei und drei Uhr morgens und die toná im Morgen­grauen.

Flamenco einmal live erleben?

Bei eventpeppers sind - verteilt über die Bundesrepublik – mehrere Flamenco-Gruppen gelistet. Damit ist es es möglich, andalusisches Flair in die eigenen vier Wände zu bringen oder seinen Gästen auf einer Bühne zu präsentieren!